DVD: „This is Spinal Tap“

                                               Getestet und verfasst von General M 

          Quelle Bildmaterial: „This is Spinal Tap, ©1982 STUDIOCANAL. All rights reserved.“ 

                                                                 Ab sofort erhältlich

71MvcnUsFTL. SL1200 Kennt Ihr Rockmusiker? Wenn Ja, werden die mit Sicherheit „This is Spinal Tap“ kennen und euch anschließend mit Filmzitaten bombardieren. Die 1982 unter Regie von Rob Reiner entstandene Mockumentary, welche die kläglichen Versuche einer gleichnamigen Britischen Rockgruppe zeigt, über den Zenit heraus in Amerika Fuß zu fassen, genießt in vielen Kreisen Kultstatus und ist zudem der Prototyp größenteils improvisierter Fakedokus, der quasi als Vater für Filme wie Borat und Co. dient. Während eine 25th Anniversary Blu-Ray bereits seit einer ganzen Weile erhältlich ist, schiebt Rechteinhaber STUDIOCANAL nun auch eine DVD nach. Diese möchten wir ausnahmsweise weniger zum Anlass nehmen, euch einfach eine Rezension dazu präsentieren (entsprechend kurz fällt dieses mal der technische Teil aus), sondern viel mehr die Gelegenheit ergreifen und euch einen Film vorzustellen, den man einfach gesehen haben MUSS.


Der Film

Sie haben sich durch jedes bedeutsame Genre der Britischen Musikgeschichte gespielt und halten sich für absolute Superstars, die drei grenzdebilen Musiker der Rockband Spinal Tap. Nun wollen David St. Hubbins (Michael McKean, „Better Call Saul“), Nigel Tufnel (Christopher Guest, „Nachts im Museum 2“) und Derek Smalls (Harry Shearer, „Godzilla“) mit ihrem neuen Album „Smell the Glove“ im Rahmen einer großen Tour auch den Amerikanischen Markt erobern. Der Streifzug durch die U.S.A. wird dabei nicht nur von ihrem realitätsfremden Manager begleitet, sondern auch vom Dokumentarfilmer Marty DiBergi (Regisseur Rob Reiner). Doch eine Reihe von Problemen sorgen dafür, dass nichts so läuft, wie es eigentlich geplant war. Der Umstand, dass sich selbst in der Heimat kaum noch jemand für die Band interessiert und der voraussichtliche Erfolg in den U.S.A. erst recht unwahrscheinlich erscheint, ist da noch die kleinste Sorge. 

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Stattdessen plagt sich die Band mit teilweise auf abstruse Art krepierenden Schlagzeugern („Er ist an JEMANDES Kotze erstickt.“), zu bröseligen Stullen im Backstagebereich und einem scheinbar zu provokanten, frauenfeindlichen Plattencover herum. Als sich St. Hubbins herrische Freundin dann zu der illustren Truppe gesellt und zunehmend versucht, Einfluss auf das Tourgeschehen zu machen, steht nicht nur das Schicksal der Band auf dem Spiel, sondern auch das einer Jahre andauernden Freundschaft.   

Die Rezension

Man muss kein Rockmusiker sein, um beim Film wieder und wieder Tränen zu lachen. Der zu großen Teilen improvisierte Film lebt von seiner teils bizarren Situationskomik und den dabei stets bierernst agierenden Darstellern. Legendäre Szenen wie der ominöse Lautsprecher, dessen Regler sich bis 11 drehen lassen oder das in einem Plastikkokon feststeckende Bandmitglied sind neben der klassischen Stonehenge – Szene nur wenige der vielen, vielen genialen Momente, die der Film zu bieten hat. Dass sich das Gezeigte dabei erschreckend nahe daran bewegt, wie sich die meisten Rockstars der Achtziger Jahre tatsächlich verhalten haben sollen, wurde später von nahezu jedem bestätigt, der je in der Branche tätig war. So ließ der Film nicht nur ein lachendes Publikum zurück, sondern auch einen beleidigten Steven Tyler (Frontmann von Aerosmith), der den Film höchst persönlich nahm. 

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So dumm und gleichzeitig so berühmt zu sein, das ist wohl nur in drei Genres möglich: In der Musik, als YouTuber und als Influencer. Oft begegnet man der realitätsfremden Selbstwahrnehmung der Bandmitglieder mit Erschrockenheit und hat fast Mitleid mit deren schier grenzenloser Naivität. Bis dann unmittelbar der nächste Gag folgt. In den 82 Minuten Laufzeit wird aber tatsächlich auch gerockt, die entsprechenden Songs und Instrumente wurden von den Darstellern dabei selbst performt. Nicht umsonst hat dieser Film aus zwei Briten und einem Amerikaner absolute Comedylegenden gemacht. Das Beste daran ist, selbst nach mehrfachem Ansehen ist der Film noch genauso witzig. Und so kann ich ihn nur jedem wärmsten ans Herz legen.

Die DVD

Wie bereits erwähnt möchte ich dem technischen Aspekt nicht zu viel Zeit schenken. Da die Blu-Ray zum Film weit vor meiner Zeit als Rezensionist erschienen ist, kann diese nicht Gegenstand dieser Besprechung sein. Dennoch haben wir sie zu einem kurzen Vergleich herangezogen. Aufgrund der Tatsache, dass der Film damals auf 16mm gedreht wurde und dabei auch oft Handkameras zum Einsatz kamen, kann man bereits dort nicht mit einer konstant guten Bildqualität aufwarten. Aber diese Tatsache unterstreicht das Setting des Films eigentlich auch ganz gut, weil man so als Zuschauer umso mehr das Gefühl hat, sich eine echte Dokumentation anzusehen. Die DVD wirkt dann auch nochmal ein Stück unschärfer und verwaschener, bleibt aber dennoch absolut ansehnlich. Eine klassische Bewertung nach üblichen Maßstäben kann aber aufgrund der besonderen Produktionsumstände kaum abgegeben werden. 

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Da der Film (zum Glück) nie eine Deutsche Synchronisation erhalten hat, bekommt man den Film auch auf DVD ausschließlich in Englischer Originalsprache mit passenden Deutschen Untertiteln präsentiert. Auf der DVD wurde diese wie zu erwarten in Form einer Dolby Digital 5.1 – Tonspur untergebracht, die besonders während der Konzerteinlagen etwas Raumklang entfaltet, sonst aber stark frontlastig agiert. Etwas dumpf und wenig basslastig präsentiert sich das Geschehen, aber auch das passt wie schon beim Bild irgendwie gut ins Setting. Die begrenzte Speicherkapazität der DVD sorgt dafür, dass man hier leider nicht die kompletten, weit über drei Stunden langen Extras der Blu-Ray erhält, lediglich die gut 45 Minuten lange Retrospektive ist enthalten. Dafür glücklicherweise auch der für die Special Edition im Jahr 2000 aufgenommene Audiokommentar der drei Hauptdarsteller, die hier komplett in ihren Rollen bleiben und so nochmals für grandiose Unterhaltungsmomente sorgen. Ohne Zweifel kann man sagen, dass es sich hier um den wohl unterhaltsamsten Audiokommentar ever handelt. Unbedingt anhören! 

Fazit

ava4„This one goes to 11! – Sätze wie die sind es, die dem Film seinen Kultstatus eingebracht haben, der längst auch zahlreiche Fans über seine Klientel hinaus gewinnen konnte. Wenn die völlig verpeilten Bandmitglieder stocktrocken die Geschichte erzählen, wie sie ihre Schlagzeuger verloren haben, bleibt garantiert kein Auge trocken. Die bitterböse Satire auf Rockmusik und deren Vertreter hat mich bestens unterhalten und wird sicherlich noch öfters gesichtet werden. Wer also noch nie von David St. Hubbins, Derek Smalls und Nigel Tufnel gehört hat, sollte schleunigst in den nächstbesten Plattenladen…ähm, Elektronikanbieter rennen und sich ´This is Spinal Tap´ reinziehen. Technisch sollte er dabei aber kein Feuerwerk erwarten – dies bleibt eher den Lachmuskeln vorbehalten.“  

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