BD: „Searching“

                                     Getestet und verfasst von General M 

         Quelle Bildmaterial: „Searching, ©2018 Sony Pictures Entertainment. All rights reserved.“ 

                           Seit 31. Januar 2019 erhältlich als Blu-Ray, DVD und Digital Purchase 

81vlpfwaavL. SL1500 Gelegentlich stößt man im Netz, besonders in den zahlreichen Social Media – Kanälen, immer wieder auf Meldungen besorgter Eltern, die ihr Kind vermissen. Tragisch ist das allemal, aber die Suche via Internet hat sich über die letzten Jahre oft bewährt. Nicht nur, dass sich solche Meldungen in Windeseile verbreiten und somit mehr Menschen erreichen als Fernseh- oder Rundfunkdurchsagen, auch hinterlassen vor allem junge Menschen heute mehr Spuren im Netz als außerhalb der Haustür. Searching schlägt genau in diese Kerbe und konstruiert anhand einer fiktiven Geschichte eine fesselnde Spurensuche im Internet. Den Test zur Heimkinoversion konstruieren wir heute anhand von Fakten für euch. 

Der Film

Noch immer trauert Witwer David Kim (John Cho, Star Trek) seiner Frau nach, die vor zwei Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung starb. Der Verlust hat nicht nur David hart getroffen, sondern auch dessen einzige Tochter Margot, die sich seitdem mehr und mehr von ihrem Vater distanziert hat. Kommuminaktion findet hauptsächlich online statt. Als Margot jedoch eines Morgens nicht wie sonst online erscheint und David lediglich drei verpasste Anrufe seiner Tochter im Handy angezeigt bekommt, beginnt er sich allmählich zu sorgen und schaltet nach kurzer Zeit die Polizei ein.

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Der Fall der vermissten Margot landet auf dem Tisch von Detective Rosemary Vick (Debra Messing, Will und Grace), die aber vorerst ebenfalls nicht in der Lage ist, neue Erkenntnisse zum Verschwinden beizutragen. Schließlich entscheidet sich der verzweifelte David dazu, das Laptop seiner Tochter nach Hinweisen zu durchsuchen. In den Weiten des Internets muss er allerdings feststellen, dass er von seiner Tochter weitaus weniger wusste, als er bisher angenommen hat. Akribisch arbeitet er sich durch jede noch so kleine Spur…aber ist Margot überhaupt noch am Leben? 

Die Rezension

Searching ist der erste Spielfilm des bisher eher als Kurzfilmer bekannten Regisseurs Aneesh Chaganty, der die Idee ursprünglich ebenfalls als kleines Feature im Kopf hatte, dann aber ein umfangreiches Budget zur Verfügung gestellt bekam, seine Vision im Großformat umzusetzen. Eine gute Idee, denn der Film behandelt ein topaktuelles Thema und weiß dieses auch spannend und zu jedem Zeitpunkt fesselnd zu erzählen. Nichts fürchten Eltern mehr als den Verlust eines Kindes. Und nicht selten agieren die Behörden bei der Suche eher nachlässig. So liegt es am Ende oft bei den Eltern selbst, die Zügel bei der Suche in die Hand zu nehmen.

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Und genau das geschieht hier letztendlich auch, wobei die Suche nicht auf konventionelle Weise stattfindet, sondern anhand von Spuren konstruiert wird, die Margot im Netz hinterlassen hat. Dadurch entsteht eine interessante Dynamik, denn für den von John Cho toll gespielten Witwer David Kim offenbart sich dadurch eine Welt, die er bisher so nicht kannte und die in der Realität vielen Eltern oft verborgen bleibt. Gleichzeitig hinterlassen junge Menschen beim Leben im Netz aber auch jede Menge Abdrücke, sei es in Form von Fotos, Kommentaren und Co. Eben ein Leben abseits vom Leben. 

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All das und mehr verpackt Regisseur Chaganty in einen fesselnden, knapp 100 Minuten langen Spielfilm, der das Thema auf sehr nachvollziehbare und realistische Weise inszeniert hat und gerade auch älteren Zuschauern ohne Affilation für Onlinemedien nicht verständnislos im Regen stehen lässt. Klar, die Suche nach verschwundenen Personen wurde im Kino schon oft ausgeschlachtet. Aber Searching gelingt es erstmals, dieses Thema in die Moderne zu übertragen und die in der Geneneration längst omnipräsenten sozialen Netzwerke und Co. in das Geschehen einzubinden. Und genau diese Komponente sorgt für unglaublich viel frischen Wind. Überzeugende Darsteller runden das Geschehen bestens ab. 

Die Blu-Ray

Searching entstand überwiegend digital, was man dem Film aufgrund seiner konsequenten Abwesenheit von Filmkorn auch ansieht. Das Bild präsentiert sich wunderbar scharf und detailreich, lediglich in den immer mal wieder eingestreuten Handkameravideos geht ein bisschen von der guten Gesamtqualität verloren, die zudem durch angenehm ausgewogene Kontraste und natürliche Farben punktet. Störende Artefakte oder andere Schwierigkeiten zeigen sich nicht, kurzum: Ein weiteres, mustergütiges Release aus dem Hause Sony. 

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Der Ton ist sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache im verlustfreien DTS-HD MA 5.1 – Format auf der Blu-Ray untergebracht worden. Genrebedingt ist hier natürlich kein Effektfeuerwerk zu erwarten, stattdessen bleibt der Sound überwiegend frontlastig und in dieser Funktion auch kräftig mit klar verständlicher Stimmausgabe im Center. Der Subwoofer bekommt hier eher wenig zu tun, dafür gibt es auf den hinteren Kanälen immer mal wieder schön durch den Raum getragene Hintergrundgeräusche. Hier gibt es nichts zu meckern. 

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Kurz und knapp fällt dafür das Bonusmaterial aus. Neben dem hörenswerten Audiokommentar des Regisseurs sowie Produzent und Drehbuchautor Sev Ohanian werden Cast und Crew näher ebenso näher beleuchtet wie der Versuch, die Moderne in ein sonst eher konventionell inszeniertes Genre hineinzutragen. Alles eher fix abgearbeitet, aber als Beiwerk durchaus brauchbar und sehenswert. 

Fazit

ava5„Searching präsentiert sich als wunderbar erfrischende, wunderbar zeitgemäße Interpretation eines bewährt-betagten Genres. Die Suche nach einem verschwundenen Menschen anhand dessen Spuren im Netz wurde von Regisseur Aneesh Chaganty von der ersten bis zur letzten Sekunde hochspannend inszeniert und wartet außerdem mit exzellenten Darstellern auf, die ihre Figuren glaubhaft tragen. Ich habe seit langer Zeit nicht mehr so sehr mit einer Rolle mitgefiebert wie mit dem von John Cho verkörperten David Kim. Nach Filmen wie Unknown User und Co. eine tolle Alternative zum Onlinehorror, der das Internet auf eine bodenständige, aber auch besorgniserregend realistische Weise präsentiert. Die dazugehörige Blu-Ray überzeugt durch gute Werte im Bild- und Tonbereich, nur die Extras sind etwas mau ausgefallen. Dennoch: Unbedingt einen Blick riskieren!“ 

Die hier veröffentlichte Meinung stellt lediglich die Meinung des Autors dar und muss nicht zwangsläufig auch die von Wrestling-Point.de, M-Reviews und allen unterstehenden Mitarbeitern sein.

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