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UHD/BD: "Anna"

Geschrieben von General M.


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                                                     Getestet und verfasst von General M 

                                      Quelle Bildmaterial: "Anna, ©2019 STUDIOCANAL GmbH. All rights reserved." 

                                            Ab sofort erhältlich als UHD, Blu-Ray und DVD

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Geschichten über Auftragskiller, ganz gleich ob freiwillig oder unfreiwillig, scheinen neben regelmäßigen Ausflügen ins SciFi - Genre zu den Steckenpferden von Luc Besson zu gehören. Nach dem gewaltigen Flop von Valerian und die Stadt der tausend Planeten kehrt der Regisseur von Klassikern wie Das fünfte Element und Léon - Der Profi jetzt mit Anna wieder zurück zu einer waschechten Story um das Attentätergeschäft vor dem Hintergrund des kalten Krieges. Und obgleich dem Film einmal mehr kein allzu großer Erfolg beschieden war, hat der Streifen definitiv seine Momente, gute wie schlechte. Welche das sind und wie gut Anna im Heimkino aussieht, klärt unser Test zu Blu-Ray und UHD. 




Der Film

Trotz hoher Intelligenz und atemberaubender Schönheit hat es Anna Poliatova (Sasha Luss, Valerian und die Stadt der tausend Planeten) alles andere als leicht. Die Beziehung zu einem Junkie haben sie nicht nur selbst in die Sucht abdriften lassen, auch häusliche Gewalt dominiert den Alltag der jungen Russin,. Aber auch weltpolitisch sieht es nicht viel besser aus, denn inmitten der Achtziger Jahre befinden sich Sowiets und Amerikaner immer noch im kalten Krieg und kämpfen vor allem mit umfangreichen Spionagemaßnahmen um den Sieg. Nach einer Reihe von Zwischenfällen gerät Anna in den Fokus des KBG und dessen Agenten Alexander Chekov (Luke Evans, Fast & Furious 7). Der bietet Anna als letzten Ausweg aus ihrer Misere einen Job als Spionin und Attentäterin an.

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Während der umfangreichen Ausbildung kommen sich Mentor und Schülerin schnell näher, was auch der eiskalten Einsatzleiterin Olga (Oscar©-Preisträgerin Helen Mirren, Catherine the Great) nicht entgeht. Weniger positiv steht der Anwerbung Anna´s allerdings KGB-Chef Vassiliev gegenüber, ein linientreuer und erzkonservativer Apparatschik, der vor allem der rivalisierenden amerikanischen CIA schon lange ein Dorn im Auge ist. Als Anna nach ersten erfolgreichen Einsätzen in eine Falle der Agency tappt, macht der leitende Agent Miller (Cillian Murphy, Inception) die Spionin kurzerhand zur Doppelagentin. Ihr Ziel: Vassiliev. Inmitten zweier erbittert gegeneinander kämpfender Fronten und von der stetigen Gefahr überschattet, die von allen Seiten versprochene Freiheit nie zu erlangen, lässt sich Anna auf ein mörderisches Spiel ein...

Die Rezension

Manchmal hat man das Gefühl, dass Luc Besson allmählich die Ideen ausgehen. Denn so sehr Anna visuell durch die unnachahmliche Handschrift des Franzosen überzeugen kann, so wenig innovativ ist die Geschichte um eine eher unfreiwillig zur Attentäterin gemachten Zivilistin. Theoretisch tischt uns der Regisseur nämlich die fast gleiche Story auf, die er bereits 1990 mit Nikita erzählt hat, nur eben dieses Mal im Szenario des kalten Krieges zwischen Ost und West. In ganz ähnliche Kerben stieß auch der im letzten Jahr veröffentlichte Red Sparrow, der genau wie Anna mehr Wert auf Stil, weniger auf Substanz gelegt hat, dafür aber zumindest das Dreifache seiner Produktionskosten an den weltweiten Kinokassen eingespielt hat (sicher nicht zuletzt auch dank der mit Jennifer Lawrence hochklassig besetzten Hauptrolle). Anna gelang dieses Kunststück nicht, denn bei 30 Millionen Dollar Budget gelang es gerade mal, die Kosten wieder reinzuholen. 

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Warum der Film dennoch einen Blick wert ist? Einerseits bietet Besson´s Spionagemär einmal mehr perfekt choreographierte und angenehm harte Actionsequenzen, andererseits bekommt man mit dem russischstämmigen Topmodel Sasha Luss in ihrer ersten Hauptrolle ein frisches, talentiertes Gesicht zu sehen, die ihre Rolle glaubhaft und mit viel Sexappeal verkörpert, gleichzeitig aber auch die emotionalen Facetten ihrer Figur gut rüberbringen kann. Was das angeht, erinnert sie sehr an Milla Jovovich in Das fünfte Element, die ja im Anschluss daran auch eine bis heute andauernde, recht erfolgreiche Karriere als Schauspielerin vorweisen darf. Und auch der Rest der Besetzung kann sich sehen lassen. Helen Mirren wirkt zwar chronisch unterfordert, liefert aber dennoch eine gewohnt bereichende Performance ab und macht das das Beste aus der eher kleinen Rolle. Cillian Murphy und Luke Evans funktionieren als rivalisierende Agenten sehr gut. 

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Dafür alleine kann man sich Anna guten Gewissens anschauen. Wer allerdings ein bisschen Ahnung von Zeitgeschichte hat, wird angesichts der vielen Anachronismen aber permanent Gründe zum Kopfschütteln finden. Immerhin spielt der Film mitten in den Achtzigern, trotzdem sind dauernd Computer und Mobiltelefone im Einsatz, die es zu der Zeit so selbst für Geheimdienstler einfach noch nicht gegeben hat. Und selbst ein Mercedes SUV aus dem Baujahr 2000 wirft Fragen auf. Inmitten gegenwärtiger Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland hat man außerdem stets das Gefühl, dass der Film seine betrachtende Neutralität sehr zugunsten einer positiven Darstellung der U.S.A. verliert, während die Russen immer in die Bösewichtschublade gesteckt werden. Ob das nun deswegen geschehen ist, um Anna für den amerikanischen Markt attraktiver zu gestalten, lässt sich natürlich nur mutmaßen. Genützt hat es am Ende aber nicht viel, denn trotz guter Darsteller und schön inszenierter Action ist Anna letztendlich nur ein mittelmäßig spannender Film geworden, der besonders inhaltlich einfach nichts Neues zu bieten weiß. 

UHD und Blu-Ray: Das Bild

Leider lagen uns auch auf Nachfrage bei STUDIOCANAL zum Redaktionsschluss keine gesonderten Informationen dazu vor, ob der Heimkinoveröffentlichung des vollständig digital enstandenen Films ein natives Master in 4K oder ein 2K Digital Intermediate zugrunde liegt. Letzteres ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen. So oder so, bereits die Blu-Ray geht qualitativ von der ersten Minute an in die Vollen und präsentiert sich von Anfang bis Ende knackscharf, detailreich und blitzsauber. Auch die Farbgebung weiß zu gefallen. Während die Aufnahmen in Russland passend zum Setting eher kühl gewählt sind, begeistern Szenen wie der Karibikurlaub mit sattwarmen, kräftigen Tönen. Auch die vielen Interieurs, zum Beispiel im Hotel oder Restaurant, werden farblich gut dargestellt. Im direkten Vergleich zwischen UHD und Blu-Ray sagt mit die Blu-Ray generell aber etwas mehr zu. Die muss zwar auf den erweiterten Farbraum sowie Support für HDR10 und Dolby Vision der UHD verzichten, driftet dafür aber bei den Hauttönen nicht so unschön in Gelbtöne ab und liefert einfach ein stimmigeres Gesamtergebnis. 

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Dafür überragt die UHD minimal, wenn es um Primärtöne geht und verleiht vor allem Rottönen noch etwas mehr Punch. Der Unterschied ist allerdings insgesamt sehr gering ausgefallen, was auch für nahezu alle anderen Aspekte gilt. Beide Formate liefern hervorragende Schwarzwerte, eine durchgehend exzellente Laufruhe und exzellente Schärfewerte. Die höhere Auflösung der UHD fällt nur sehr selten auf. Feine Details wie kleine Schriftzüge auf Dokumenten und dergleichen werden besser herausgearbeitet und sind anders als auf der Blu-Ray hier mühelos lesbar. Etwas mehr Helligkeit ist ebenfalls wahrnehmbar, aber abseits davon ähneln sich ausnahmsweise selbst HDR10 und Dolby Vision optisch wie ein Ei dem anderen. Generell überrascht mich, wie wenig sich Blu-Ray und UHD letzendlich in Sachen Bild voneinander unterscheiden. Einen wirklichen Mehrwert bekommt man ausnahmsweise nicht geboten. Und da die Blu-Ray in meinen Augen generell die natürlichere Farbgebung bietet, sollte man hier auch primär zugreifen. 

UHD und Blu-Ray: Der Ton

Etwas enttäuschend bieten weder Blu-Ray noch UHD Sound im Dolby Atmos - Format, selbst Fans des englischen Originaltons müssen sich ausnahmsweise mit verlustfreiem DTS-HD MA 5.1 - Sound begnügen. Erwähnen sollte man, dass der Ton von Anfang an in seiner Grundabmischung etwas zu leise rüberkommt, weshalb einige Justierungen am Reciever nötig sind, ehe Anna sich wirklich gut über die Lautsprecher entfalten kann. Dann stimmt die Dialogverständlichkeit und auch räumliche Momente kommen immersiv zur Geltung, sei es inmitten der Stadt zwischen Passanten und fahren Automobilen oder einfach beim Soundtrack, der einmal mehr aus der Feder von Hauskomponist Eric Serra stammt. Der zeigt sich dann auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Subwoofer gut beschäftigt wird, denn großes Explosionskino ist Anna nicht. 

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Im direkten Vergleich zwischen der deutschen und englischen Tonspur gibt es aber eine zentrale Auffälligkeit, welche beide Sprachfassungen trotz gleichem Format vehement voneinander unterscheidet. Denn wenn es beispielsweise im Finale ordentlich zur Sache geht und die Kugeln fliegen, kommt im Deutschen dazu nicht viel mehr aus den Speakern als ein müdes "Peng". Highlights wie diesen mangelt es konsequent an Dynamik und Rumms. Der Originalton performt diesbezüglich zwar auch nicht am bestmöglichen Limit, liefert aber in besagten Situationen trotzdem deutlich mehr Power. Sowas erwartet man normalerweise bei Disney oder Paramount, aber gemessen an den sonstigen Qualitätsstandards von STUDIOCANAL lässt einen Anna beim Sound mit vielen offenen Fragen zurück. 

Die Extras

"Kurz, aber knackig" ist das Motto, unter dem sämtliche Extras laufen. Abseits des gut viertelstündigen Einblicks in die Produktion, der von der Story bis zu den Darstellern schon einige Aspekte abdeckt, darf man sich auch auf einige Interviews freuen. Die restlichen Featurettes befassen sich dann mit der Ausstattung und einer Analyse der anfänglich gezeigten Verfolgungsjagd. Auch die einprägsame Kampfszene im Restaurant wird nochmals näher unter die Lupe genommen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger wird hier sowohl auf der UHD als auch der Blu-Ray an Bonusmaterial geboten. 

Fazit

55957770 2311144785603906 1491509483245928448 o"Auch wenn Regisseur Luc Besson für seinen neuesten Film neben einer prominenten Besetzung auch mit einer gleichermaßen glaubhaft wie frisch wirkenden Hauptdarstellerin aufwartet und die Action wie immer top ist, kann Anna seine zahlreichen inhaltlichen Schwächen nie wirklich verbergen. Weder ist die Geschichte neu, noch sonderlich innovativ inszeniert. Stattdessen hat man das Gefühl, nach Nikita, Red Sparrow und auch Atomic Blonde wieder nur aufgewärmter Kost ausgesetzt zu sein, der es aber alleine schon dank Unmengen von Anachronismen und mangelnder Neutralität bei der Darstellung der jeweiligen Parteien an Qualität mangelt. Die findet man dann auch eher beim Bild von Blu-Ray und der (etwas unterlegenen) UHD, während der Ton einen mangels angemessener Kraft eher enttäuscht zurücklässt. Die Extras gehen in Ordnung, überragen aber wie so vieles andere an Anna auch hier nicht die Mittelmäßigkeit."


Die hier veröffentlichte Meinung stellt lediglich die Meinung des Autors dar und muss nicht zwangsläufig auch die von Wrestling-Point.de, M-Reviews und allen unterstehenden Mitarbeitern sein.
   
                                                 ©2019 Wrestling-Point.de/M-Reviews   

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