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Mafia II: Definitive Edition - "Komplettpaket für Nachwuchsgangster"

Geschrieben von General M.


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                                                       Getestet und verfasst von General M


mf2dekaErzählerisch zählt die Mafia-Trilogie seit ihrem ersten Erscheinen 2002 zum Besten, was Videospiele zu bieten haben. Einen so atmosphärischen Einblick in das Leben des organisierten Verbrechens mit all seinen Vor- und Nachteilen bieten sonst nur legendäre Filmklassiker wie Der Pate, Goodfellas und Co. Weil aber gerade die ersten beiden Teile der Reihe (die übrigens unter Fans und Kritikern gleichmaßen als bisher beste Serienbeiträge gelten) bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, bot sich eine zeitgemäße Neuauflage geradezu an. Nach kurzem Teasing ließ 2K bereits wenige Tage später die Bombe platzen: Während das Original ein waschechtes Remake spendiert bekommt, darf sich der Nachfolger immerhin über ein Remaster freuen. Den Test dazu gibt es heute bei uns. 

                        Hinweis: Sämtliches Bildmaterial wurde mit der PC-Version erstellt. 

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Drei Jahrzehnte in der Mafia

Nachdem sich der junge Italo-Amerikaner Vito Scaletta im Zweiten Weltkrieg eine Kugel eingefangen hat, schickt ihn die Army zur Erholung heim in das winterliche Empire Bay. Obwohl Mutter und Schwester den Kriegshelden freudig mit offenen Armen willkommen heißen, hält sich die Wiedersehensfreude in Grenzen - schließlich tobt der Krieg weiterhin unerbittlich, die Rückkehr an die Front scheint unvermeidbar zu sein. Zum Glück gibt es Joe Barbaro, seines Zeichens seit Kindesbeinen bester Freund, der mittlerweile vom einfachen Banditen zum Mitarbeiter der lokalen Mafiafamilie aufgestiegen ist und über die nötigen Connections verfügt, um aus dem Kurzurlaub einen Daueraufenthalt zu machen. Die neugewonnene Freiheit gestaltet sich zunächst aber alles andere als erfüllend. Mies bezahlte Knochenarbeit im Hafen und die ständige Ausbeuterei durch den gnadenlosen Gewerkschaftsboss Pappalardo treiben Vito schnell selbst in die Dienste der Untergrundgesellschaft. 

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Nach ersten gelungenen Coups beginnt das Geld rasch zu fließen. Als Vito allerdings einige Zeit später wegen Hehlerei mit Benzinmarken verhaftet und inhaftiert wird, bricht für die Familie Scaletta eine Welt zusammen. Als Gegenleistung für den Mord an einem irischen Bandenführer sorgt Knastbekanntschaft und hochrangiger Mafiamitarbeiter Leo Galante dafür, dass Vito deutlich schneller als geplant wieder auf freien Fuß gelangt, gleichzeitig öffnen sich für ihn und Joe die Türen zur einflussreichen Familie Falcone. Doch als sich die Iren für den Tod ihres Anführers rächen und das Duo in massive Geldnot gerät, zeigt sich einmal mehr, dass jeder Höhenflug irgendwann ein Ende findet. Hinter dem Rücken der Mafia will man nun gemeinsam mit dem undurchsichtigen Henry Tommasino ganz groß ins Drogengeschäft einsteigen. Ein Wagnis mit fatalen Folgen, denn die Bosse an der Spitze dulden solche Deals ganz und gar nicht. Es dauert nicht lange, da finden sich Vito und Joe nicht nur zwischen den Fronten anhaltender Familienfehden wieder, sondern erfahren auch am eigenen Leib, welchen Preis Verrat hat...

Neuer Anstrich, alte Farbe

Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung von Mafia II weiß die wendungsreiche Geschichte um Vito und Co. immer noch mehr zu begeistern als die dünne Rahmenhandlung manch taufrischer Titel. Geschuldet ist das in erster Linie den fantastisch geschriebenen Charakteren, die einem (auch dank immer noch exzellenter deutscher Vertonung) schnell ans Herz wachsen. Die verschiedenen Ziele und Konflikte der Antihelden und Schurken sind stets nachvollziehbar und steuern immer wieder neuen Höhepunkten entgegen, an die man sich auch lange nach Beendigung des Spiels immer wieder erinnert. Als Spieler trägt man Freund- wie Feindschaften gleichermaßen mit und leidet entsprechend unter der Tatsache, dass nicht jede liebgewonnene Figur es bis zum Ende schaffen wird. Diese erzählerischen Stärken erhält sich auch die Definitive Edition, was das gut fünfzehn Stunde lange Abenteuer auch für Kenner wiederkehrenswert gestaltet. Sämtliche damals erschienenden DLC´s gibt es gratis obendrauf, wobei die allerdings nie die cineastische Qualität der Hauptgeschichte erreichen. 

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Dafür hat sich optisch einiges getan, zumindest wenn man Mafia II lediglich auf den Konsolen der Last Generation gespielt hat. XBOX 360 und PlayStation 3 mussten nämlich aufgrund eingeschränkter Hardwareleistung mit einer deutlich weniger schönen Kulisse Vorlieb nehmen, dennoch kam es auf beiden Plattformen immer wieder zu Problemen bei der Performance. Ein Manko, mit dem die am Zenit ihrer Möglichkeiten stehende Current Generation nicht mehr zu kämpfen hat. Wer Aufstieg und Fall des Vito Scaletta aber im Original und unter maximalen Settings vom PC kennt, wird die Verbesserungen wahrscheinlich weniger umfangreich wahrnehmen, denn selbst in seiner Urform ist das Gangsterepos dort unter entsprechend vorausgesetzter Hardware vom ersten Tag an sehr ansehnlich gewesen und hat sich selbst heute in dieser Form noch viel von seinem ursprünglichen Charme erhalten können. Dennoch hat sich das verantwortliche Team von D3T Limited bemüht, die ganze Sache für die Definitive Edition etwas zeitgemäßer zu gestalten. 

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Überarbeitete, hochauflösende Texturen, HDR-Support sowie eine verbesserte Beleuchtung lassen Empire Bay und seine Bewohner nun deutlich schöner erstrahlen, auch wenn das Endergebnis sich kaum mit modernen Open World-Vetretern wie beispielsweise einem Red Dead Redemption II messen kann. Dafür hätte es dann doch eines umfangreichen Remakes bedarft. So aber sieht man Mafia II trotz grafischer Verbesserungen sein grundlegendes Alter immer an. Besonders Animationen und dergleichen wirken mittlerweile alles andere als frisch. Zusätzlicher Wermutstropfen: Das sich über drei Jahrzehnte hinweg immer wieder verändernde Empire Bay hat dem Spieler zwischen den Missionen weder Nebenaufträge noch Freizeitaktivitäten zu bieten. Spätestens dann, wenn man alle versteckten Playboy-Magazine gefunden hat, entpuppt sich die fiktive Stadt als ereignisloser und gemessen an aktuellen Titeln populationstechnisch ziemlich dünn besiedelter Asphaltdschungel. 

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Auch spielmechanisch hat der Zahn der Zeit sichtbar an Mafia II genagt. Schusswechsel werden fast immer ausschließlich im Rahmen simpelster Deckungskämpfe ausgetragen während Faustkämpfe nach ewig gleichem, langweiligem Prinzip ausgetragen werden. Die schon damals nicht gerade klug agierenden Gegner verkriechen sich auch zehn Jahre später hinter Mauern und provisorischen Befestigungen und warten dort darauf, eine Kugel in den Kopf geschossen zu kriegen. Sogar die Polizei lässt sich mit etwas Übung leicht abhängen. Eine Herausforderung ist das Spiel dementsprechend wenn überhaupt nur auf dem höchsten von insgesamt drei verfügbaren Schwierigkeitsgraden. Wer also auf Anspruch und Abwechslung aus ist, ist mit einem aktuelleren Genrevertreter um einiges besser bedient. Liebhaber toll erzählter Geschichten im Rahmen eines unverbrauchten Settings sollten über all diese Mankos hinwegsehen und Mafia II alleine für diese beiden Aspekte unbedingt im Auge behalten. 

Plattformpaten 

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei der Definitive Edition lediglich um eine visuell verbesserte Erfahrung, nicht um eine waschechte Neuauflage. Besitzer der Originalversion auf Steam können sich trotzdem freuen, denn die bisherige Fassung wird automatisch und dazu noch völlig kostenlos auf die überarbeitete Version geupgraded, selbst bereits zuvor erstellte Speicherstände kann man problemlos weiter nutzen. Die Urfassung bleibt weiterhin unter dem neuen Zusatz "Classic" spielbar. All das bleibt Konsolenbesitzern leider verwehrt, denn wer auf PlayStation 4 und XBOX One einen Ausflug nach Empire Bay wagen will, muss auch als Besitzer der Version für Last Generation den vollen Preis bezahlen und darf auch keine Spielstände übertragen. Das lässt dann doch zusätzlich zu der Tatsache, dass selbst die erweiterten Modelle das Spiel weiterhin nur in (wenigstens durchgehend stabilen) 30 Frames pro Sekunde darstellen, einen gewissen Nachgeschmack zurück. Dafür wird für Besitzer einer PlayStation 4 PRO und/oder XBOX One X immerhin in nativem 4K aufgelöst. Visuelle Unterschiede zur PC-Version sucht man dann abseits einer nur dort vorhandenen unbegrenzten Bildrate vergeblich. 

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Alle Konsolen profitieren zusätzlich von besserer Kantenglättung und erhöhter Sichtweite im Vergleich zur Last Generation. Standardmodelle lösen zwar "nur" in 1080p auf, bieten aber abseits der knackscharfen Darstellung der technisch potenteren Plattformen ein identisch stabiles Erlebnis. Und selbst wer auf dem PC das Maximum aus dem betagten Grundgerüst rausholen will, benötigt dafür keinen Hochleistungsrechner. Bereits ab solider Mittelklasse lässt sich das Spiel problemlos mit Maximaleinstellungen flüssig betreiben, wer dennoch auf Performanceeinbrüche stößt, darf dank angemessen vieler Feineinstellungen bequem nachjustieren. Komplett vorbildlich ist die Definitive Edition aber leider nicht geraten: Beim Test kam es über sämtliche Plattformen immer wieder zu plötzlich komplett fehlenden Texturen, während manche Outfits unter auffälligen Clippingfehlern leiden. Die Entwickler haben hier aber bereits Abhilfe in Form eines Patches versprochen. Sobald der erschienen ist, werden wir unsere Wertung gegebenenfalls nachträglich anpassen. 

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Nichts auszusetzen gibt´s dagegen bei Sound und Bedienung. Mafia II bietet einen der in meinen Augen bis heute besten Soundtracks der Videospielgeschichte, mit namhaften Interpreten wie Dean Martin, Little Richard, Elvis Presley und vielen mehr. Alles stets passend zur jeweils dargestellten Epoche. PC-Spieler steuern mit Maus und Tastatur ebenso komfortabel wie Besitzer eines Gamepads. Letzteres bietet minimal mehr Präzision beim Fahren, dafür hat der PC bei Schießereien die Nase vorne. Alles in allem muss man aber nirgendwo Angst vor Bedienschwächen haben. 

Fazit und Wertung

55957770 2311144785603906 1491509483245928448 o"Dank der fantastischen Story und den mit immenser Liebe zum Detail geschriebenen Charakteren bin ich in den letzten zehn Jahren immer wieder gerne nach Empire Bay zurückgekehrt. Mit der Definitive Edition sehen Stadt und Bewohner zwar schöner als je zuvor aus, wirklich zeitgemäß wirkt das Remaster allerdings auf keiner Ebene. Altbackene Animationen, nie schlau agierende Gegner und mittlerweile von vielen anderen Spielern deutlich moderner umgesetzten Deckunsgefechten trüben den Schein ebenso wie eine aktivitätsbefreite, oft leer wirkende Open World. Wer mit all diesen Mankos leben kann, bekommt eine glaubhafte, kompromisslos inszenierte Geschichte über die Mafia geliefert, wie sie sonst nur unter Coppola und Scorsese im Kino erlebt werden kann. Und das ist wohl ein Angebot, dass man auch 2020 nicht ablehnen kann."


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PRO:

+ Zeitlos spannend und wendungsreich inszenierte Geschichte
+ Glaubwürdig geschriebene Charaktere mit nachvollziehbaren Motiven
+ Unverbrauchtes Setting, dass sich über drei Jahrzehnte abspielt...
+ ...und sich immer wieder visuell seiner Zeit anpasst (Autos, Kleidung, Musik)
+ Grafisch an vielen Stellen sinnvoll verbessert
+ Makellose deutsche Vertonung
+ Umfangreicher, perfekt gewählter Soundtrack
+ Gute Bedienung, egal ob via Maus und Tastatur oder Gamepad
+ Enthält sämtliche DLC´s
+ Besitzer der Classic-Version erhalten die Definitive Edition kostenlos (PC, nur Steam)
+ Spielstände der Originalversion können bequem übernommen werden (PC, nur Steam)


CONTRA:

- Trotz Optimierungen grafisch insgesamt nicht mehr zeitgemäß
- Empire Bay wirkt oftmals sehr leer...
- ...und bietet weder Nebenmissionen noch Freizeitaktivitäten
- Arg veraltete Deckungs- und Kampfmechaniken
- Stupide agierende Gegner
- Polizei lässt sich nur selten als wirkliche Bedrohung wahrnehmen...
- ...reagiert dafür aber schon bei kleinen Geschwindkeitsübertretungen penetrant nervig
- DLC´s erreichen nie die erzählerische Qualität der Hauptgeschichte
- Gegenwärtig ein paar störende Bugs vorhanden
- Konsolenfassungen liefern über alle Modelle nur 30 Frames pro Sekunde


                                              GESAMTWERTUNG:     
7.7/10


Die hier veröffentlichte Meinung stellt lediglich die Meinung des Autors dar und muss nicht zwangsläufig auch die von Wrestling-Point.de, M-Reviews und allen unterstehenden Mitarbeitern sein.
   
                                                 ©2020 Wrestling-Point.de/M-Reviews 

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